12/2021

nexpera SPOTLIGHT – Die Berufswelt bis 2035 (Teil II)

Mit Hilfe des Technologieersetzbarkeitsmodells lässt sich ganz einfach die Frage beantworten, wie viel Prozent unserer heutigen Arbeit in naher und weiter Zukunft durch neue Technologien ersetzt werden kann. Bereits im ersten Teil dieser Spotlight-Reihe haben wir Ihnen eine kleinen Einblick in die modernsten Technologien gegeben. Doch was sind nun die sechs Schlüsseltechnologien? Auf Basis dieses Modells wurden diese zunächst im ersten Schritt definiert – Data Analytics (Analyse von Großen Datenmengen unterschiedlichster Arten zur Erkennung versteckter Muster), Robotics (Einsatz von Robotern auf Basis von Sensoren zur Durchführung wiederholbarer Tätigkeiten), Robotic Process Automation (Einsatz von Software mit KI und Machine-Learning-Fähigkeiten zur Erledigung wiederkehrender Aufgaben), Machine Learning (Einsatz von Software mit KI, um auf Basis von Algorithmen eigenständig Lösungsansätze für auftretende Probleme zu finden), Natural Language Processing (Einsatz von Software, welche Erkenntnisse der Linguistik mit KI verbindet, um die Kommunikation von Computern mit dem Menschen zu ermöglichen), Computer Vision (Einsatz von maschinell sehenden Systemen für die Lösungsfindung visueller Aufgaben). Deren Potential und Anwendungsbereiche sind bereist deutlich absehbar und geben einen klaren Blick in die Zukunft. Welche Tätigkeiten können dadurch grundsätzlich oder teilweise substituiert werden?

Im nächsten Schritt werden dann die Arbeitsabläufe (Tätigkeitsbereiche und Anforderungen an den Beruf) genauer betrachtet und festgelegt, in welchen Bereichen die sechs Schlüsseltechnologien eingesetzt werden können. So ergibt sich für jeden Beruf eine individuelle Ersetzbarkeit (als Prozent der Vollzeitäquivalente). Die (Daten)Grundlage bilden ca. 19.000 Tätigkeiten auf ca. 1.000 Berufe (erhoben von U.S. Bureau of Labor Statistic und O*Net-Datenbank des U.S. Department of Labor).

Neben der reinen Tätigkeiten ist bei jedem Beruf eine gewisser Mix von Kompetenzen (Skill-Mix) gefordert. Dazu gehören u.a. technische Skills, soziale Kompetenzen, oder auch komplexe Problemlösungskompetenzen. Da das Modell „bottom-up“ aufgebaut ist, erfolgt im ersten Schritt auf der Kompetenz-Ebene eine Einordnung aller Skills in „ersetzbar“ und „nicht-ersetzbar“. Im zweiten Schritt werden dann die möglichen Schlüsseltechnologien der jeweiligen Tätigkeit zugeordnet. Daraus lässt sich schließen, zu wie viel Prozent eine Tätigkeit durch welche Schlüsseltechnologie substituierbar ist und wie viel Arbeitsaufwand (in Stunden) dadurch ersetzt werden können bzw. wegfallen.

Auf Basis des Nachfrageprognosemodell des Bundesinstituts für Berufsbildung wird festgehalten, welche Berufe in Deutschland auch in den kommenden Jahren (stark) nachgefragt werden. Inkludiert werden externe Faktoren, ökonomische Daten (Bevölkerungsdaten) sowie deren Auswirkung auf Industrie, Sektoren und Beschäftigung. Die Ergebnisse sind eindeutig: Vor allem in den Berufe des Gesundheitssektors (Erziehung, Sozialarbeit, Krankenpflege, Altenpflege etc.) wird starker Zuwachs (von insgesamt rund 900.000) bis 2035 prognostiziert. Die Substituierbarkeit dieser Tätigkeit ist demnach eher gering. Innerhalb der dargestellten Tabelle stehen allerdings besonders die Jobs im Fokus, welche die meiste Substituierbarkeit mit sich bringen. Mit einer 40-prozentigen Substituierbarkeit liegt das Rechnungswesen und Controlling auf Platz eins. Bis 2035 wird die Nachfrage um knapp 27.100 sinken. Mit 35 Prozent steht der IT-Bereich auf dem zweiten Platz, wenn es um die Substituierbarkeit der Tätigkeiten geht. Allerdings wird hier eine deutliche Zunahme der Nachfrage von knapp 24.300 vorausgesagt. Innerhalb der Steuerberatung können die wesentlichen Tätigkeitsbereiche um bis zu 30 Prozent ersetzt werden. Dennoch steigt auch hier die Nachfrage bis 2035 um ca. 30.700 an. Berufe der Rechtsberatung, -sprechung und -ordnung weisen mit 21 Prozent einen ebenfalls relativ hohen Substituierbarkeits-Wert auf. Dicht gefolgt von der Tätigkeit Unternehmensorganisation und -strategie (20 Prozent) sowie Geschäftsführung und Vorstand (12 Prozent). Allerdings zeigen die Jobs in der Unternehmensführung einen besonders starken Zuwachs der Nachfrage auf (rund 123.900) und zählen somit ebenfalls zu den „Jobs der Zukunft“.

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